Wo darf ich mir denn noch eine anstecken?


In kaum einem Verkehrsmittel kann man sich noch genüsslich eine Zigarette anzünden, und in vielen Ländern darf auch in Kneipen und öffentlichen Gebäuden nicht mehr gequalmt werden. Ein Überblick für reisende Raucher.
Für Nikotinliebhaber wird die Luft immer dünner: Nachdem es schon seit Jahren so gut wie keine Langstrecken-Raucherflüge mehr gibt, sind Zigaretten seit dem 1. September auch in Zügen, auf den 5700 deutschen Bahnhöfen und in Taxis verboten. So steht es im neuen Bundesgesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens.

Außerdem wollen die Bundesländer Regelungen für Gaststätten einführen. Hessen hat schon reagiert: Seit zwei Wochen ist das Rauchen auch in „Gebäuden und sonstigen umschlossenen Räumen“ verboten. Diesem Gesetz unterliegt auch der Frankfurter Flughafen, das größte Drehkreuz in Deutschland. Reisende Raucher müssen nun vors Terminal gehen, um sich eine anzustecken. Freundlicherweise wurden bereits zusätzliche Aschenbecher am Eingangsbereich für sie installiert.
Anfang 2008 soll es dann auch eine Lösung für die Transitpassagiere geben: Wie bereits auf anderen internationalen Flughäfen, zum Beispiel in Singapur oder Hongkong, werden im Sicherheitsbereich rundum abgeschlossene Raucherkabinen aus Glas errichtet, die mit einem speziellen Belüftungssystem ausgestattet sind. Darin können alle suchtfreien Reisenden die Raucher wie Fische im Aquarium beobachten.


Spezielle Raucherkabinen am Münchner Flughafen
„Wir haben schon 1999 begonnen, aus dem Raucherflughafen mit Nichtraucherzonen einen Nichtraucherflughafen mit Raucherzonen zu machen“, sagt Klaus Wilhelm vom Münchner Flughafen. Refugien finden Raucher hier bislang noch auf der Abflugs- und Ankunftsebene des Terminal 1 und Terminal 2 (jeweils am Ende des Terminals). Dort stehen Raucherkabinen, die an Telefonzellen erinnern. Das Plexiglas reicht vom Kopf bis zur Hüfte, und ein Abzug in der Kabine erzeugt Unterdruck, der warme Qualm steigt auf und wird abgesaugt.

Natürlich gibt es immer wieder fanatische Raucher, die sich vehement gegen das Zusammenpferchen und Zwangsausgrenzen auflehnen. Manche stecken sich sogar im Flugzeug eine Zigarette an. Die ersten Nichtraucherflüge starteten in Nordamerika, wo sich die Fluggesellschaften der starken Anti-Raucher-Lobby beugten. 1995 führte Lufthansa erstmals Nichtraucherflüge ein. Mit welcher Strafe das Rauchen an Bord geahndet wird, richtet sich nach der Gesetzgebung des Landes über dessen Hoheitsgebiet sich die Maschine bei dem Vorfall befindet. Dramatische Folgen hat dies aber in den wenigsten Fällen. Das deutsche Luftverkehrsgesetz behandelt das Rauchen im Flugzeug als Bagatelle. Das Delikt wird unter „Ordnungswidrigkeit“ abgehandelt und kostet den qualmenden Passagier zwischen 150 und 300 Euro Strafe.
Nur eine „Gefährdung des Luftverkehrs“ kann mit maximal zehn Jahren Haft bestraft werden. Damit es aber zu einer Verurteilung kommen kann, verlangt der Gesetzgeber eine „konkrete Gefährdung“. Die besteht allerdings schon dann nicht mehr, wenn eine Flugbegleiterin die Zigarette gelöscht hat.

"Ein weltweit einheitlicher Rechtsstandard ist überfällig"
Der Luftfahrtverband Barig (Board of Airline Representatives in Germany) in Frankfurt am Main ist eine Interessenvertretung der in Deutschland aktiven Fluggesellschaften, sie fordert bereits seit Ende der 90er-Jahre strengere Gesetze. Zum Vergleich: In den USA fällt das Rauchen an Bord unter „Missachtung der Sicherheitsanweisung des Flugpersonals“. Dafür werden bis zu 18.000 Euro Strafe fällig. In Großbritannien können bis zu 7200 Euro eingefordert werden. „Ein weltweit einheitlicher Rechtsstandard ist überfällig“, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty.

Aber auch am Boden sind die Richtlinien nicht in allen europäischen Ländern gleich. In den meisten unserer Nachbarstaaten gelten inzwischen strengere Rauchergesetze als in Deutschland. So darf zum Beispiel in Italien bereits seit 2005 in allen öffentlichen Gebäuden, Restaurants und in Cafébars nicht mehr geraucht werden. Die Bußgelder können bis zu 250 Euro betragen.
In Belgien gelten seit Beginn des Jahres ähnliche Vorschriften. Ein Zuwiderhandeln kann zwischen 150 und 1650 Euro kosten. Nur in öffentlichen Gebäuden dürfen Belgier sich noch eine Zigarette anzünden. In Restaurants und Lokalen können Wirte außerdem ausgewiesene Raucherzonen einrichten. In Kneipen bleibt eine angezündete Zigarette folgenlos, wenn weniger als ein Drittel des Umsatzes mit Mahlzeiten erwirtschaftet wird.

Richtig teuer wird die Nikotinsucht in Irland. Dort gilt seit März 2004 ein Rauchverbot in öffentlichen, geschlossenen Räumen, also auch in Pubs und Gaststätten. Wer sich nicht daran hält, muss bis zu 3000 Euro zahlen. Selbst in den liberalen Ländern Schweden und Norwegen darf in Lokalen nicht geraucht werden. Allerdings muss der Raucher im schlimmsten Fall nur vor die Tür.
Frankreich ist in Sachen Rauchergesetzen noch etwas liberaler. Dort wird das Qualmen in Bars und Restaurants erst ab dem 1. Januar 2008 untersagt, derzeit ist es auf öffentlichen Plätzen verboten wie zum Beispiel auf Bahnhöfen und Flughäfen Als Geldstrafe werden gerade einmal 68 Euro fällig.

Am frischesten weht der Wind in Übersee
Rauchverbote in Restaurants, Kneipen und den meisten Hotels gelten zum Beispiel in Neuseeland und Australien. In Thailands Hotels herrscht in allen Räumen mit Klimaanlage striktes Rauchverbot. Auch in Singapur handelt man sich mit Rauchzeichen viel Ärger ein. Wer in öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln oder Aufzügen mit einem Glimmstängel erwischt wird, riskiert Geldstrafen bis zu umgerechnet 480 Euro.

Vor allem Amerika ist für Raucher nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. „Welcome to Marlboro Country“ – das war einmal, das achteinhalb Zentimeter lange Stück Tabak symbolisiert längst nicht mehr den Inbegriff des amerikanischen Freiheitsgefühls. Im Mutterland des Tabakexports sind Zigaretten alles andere als gesellschaftsfähig. In den meisten Bundesstaaten ist das Rauchen in öffentlichen Räumen verboten oder stark eingeschränkt – das gilt ebenso für viele Strände (!) und Hotels. Sollten Sie einen Trip in die Vereinigten Staaten planen, lassen Sie die Zigarettenschachtel also besser gleich zu Hause.