Frankfurt Airport City – Ein außergewöhnlicher Geschäftsstandort

Von J. Höfler

Der Flughafen Frankfurt/Main gehört mit derzeit 50,9 Millionen Passagieren und 1,8 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr[1] zu den größten und wichtigsten Flughäfen und Frachtzentren der Welt. Um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu sichern und der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, sind verschiedene Kapazitätserweiterungen geplant. Im Rahmen dieser Erweiterungen werden eine neue Landebahn, ein drittes Passagierterminal und eine A380-Werft erbaut. Im Jahr 2020 soll somit ein Passagiervolumen von 88,3 Millionen pro Jahr und ein Frachtvolumen von 3,16 Millionen Tonnen pro Jahr erreicht werden.[2]

Doch der Frankfurter Flughafen ist längst mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt. Durch den stetigen Zuwachs an Angeboten abseits des eigentlichen Flugbetriebs, soll er vielmehr zu einem herausragenden Mobilitäts-, Erlebnis- und Immobilienstandort, einer „Airport City“, heranwachsen.

Kennzeichen einer Airport City


Abb. 2.32 Foto: Fraport AG


Für den Begriff “Airport City” gibt es keine allgemeingültige Definition. Oftmals werden auch andere Begrifflichkeiten, wie z.B. „Aéroville“ (Paris), „Sky City“ (Stockholm) oder „Aviopolis“ (Helsinki) verwendet. Alle Begriffe bezeichnen dabei Flughäfen, die nicht nur über den Luftweg, sondern auch über den Landweg gut erreichbar sind und über gewisse städtische Funktionen verfügen, wie beispielsweise:[3]

–       kommerzielle Dienstleistungen (z.B. Restaurants, Bars, Modegeschäfte, Supermärkte)

–       touristische Dienstleistungen (z.B. Hotels, Besucherterrassen)

–       Tagungs- und Kongressräume

–       Büro­- und Logistikeinrichtungen

–       Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten (z.B. Golfplätze, Fitnesscenter, Spielcenter)

–       Kultur und Unterhaltung (z.B. Museen, Kinos)

Trotz urbaner Kennzeichen stellt eine Airport City keine Stadt im eigentlichen Sinne dar. So hat sie weder Einwohner noch eine administrative Gemeindeverwaltung. Des Weiteren fehlt ihr ein Großteil an sozialer, historischer und kultureller Identität. Durch die ortstypischen Komponenten sollen Passagiere jedoch denselben Erlebnis- und Nutzwert erlangen, welchen sie auch bei einem Innenstadtbesuch erhalten würden.[4] Die Wartezeit an Flughäfen soll sich für sie in Qualitätszeit wandeln.

Eine Airport City ist eine Immobilienadresse, ein Konferenzzentrum und Erlebnisstandort mit Übernachtungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten und vor allem hervorragenden Shopping- und Gastronomieangeboten, weshalb auch oft von „Einkaufszentren mit angeschlossener Landebahn“ die Rede ist. [5]

Einnahmen und Potential

Die Airport City generiert für den Flughafenbetreiber sowohl direkte als auch indirekte Einnahmen. Direkte Einnahmen entstehen durch den Betrieb, Verkauf und die Vermietung von Bestandteilen der Airport City. Diese Einnahmen werden dem Non-Aviation-Bereich zugeordnet. Indirekte Einnahmen entstehen durch die erhöhte Nachfrage an Flugverbindungen durch ansässige Unternehmen, die wiederum dem Aviation-Bereich zugeordnet werden.[6]

Durch sinkende Einnahmen im Aviation-Bereich wird der Ausbau des Non-Aviation-Geschäfts für Flughäfen immer wichtiger. Außerdem lassen sich in diesem Bereich deutlich höhere Gewinnmargen erzielen, als im traditionellen Kerngeschäft. Das Angebot an Einzelhandel, Gastronomie und Serviceleistungen, welches unter dem Begriff „Retail“ zusammengefasst wird, stellt innerhalb des Segments den umsatzstärksten Teilbereich dar.[7]

Auch die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, die Fraport AG, hat dieses Potential erkannt. Sie sieht unter anderem im Retail-Geschäft sowie im Immobilienmanagement der Airport City ihre Wachstumsmotoren.[8] Diese beiden Bereiche verzeichneten im Geschäftsjahr 2009 zusammen einen Umsatz von rund 363 Mill. Euro und bildeten somit einen Anteil von 18,4 % am Gesamtumsatz.


Abb. 2.33 Umsatzanteile der einzelnen Segmente der Fraport AG (Quelle: Geschäftsbericht Fraport AG, 2009)

Um die Einnahmen im Retail-Bereich weiter zu erhöhen und den Fluggästen eine noch größere Auswahl an Produkten bieten zu können, wird am Flughafen Frankfurt in die Erweiterung und Neugestaltung der Flächen investiert. So entstehen beispielsweise im Terminal 1 eine neue Shopping Avenue, ein Shopping Boulevard sowie die Airport City Mall, im Terminal 2 entsteht die neue Shopping Plaza. Durch diese Projekte erhöht sich die Einkaufsfläche bis zum Jahr 2015 von bisher 18.000 m² auf rund 30.000 m².[9]

Die Frankfurt Airport City wächst

Das Immobilienmanagement ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Non-Aviation-Geschäfts. Durch die Vermarktung und den Betrieb von Flughafenimmobilien können hohe Einnahmen erzielt werden. Deshalb soll der Frankfurter Flughafen nicht nur innerhalb des eigentlichen Flughafengeländes erweitert werden. Die neue Airport City besteht aus drei Komplexen, die rund um den Flughafen Frankfurt entstehen und ihn in den nächsten Jahren zu einem Business-Standort der Extraklasse werden lassen sollen. [10]

–       Airrail Center Frankfurt

Das Airrail Center bildet das Herzstück der neuen Airport City und ist eines der spektakulärsten Gewerbeprojekte Europas. Mit Projektkosten von rund 840 Millionen Euro entsteht der 660 m lange, bis zu 65 m breite und 360.000 Tonnen schwere Komplex direkt über dem ICE-Fernbahnhof Flughafen Frankfurt. Neben der daraus resultierenden Anbindung an das Schienennetz ist das Gebäude zudem fußläufig mit dem Terminal 1 verbunden. Durch die Lage zwischen der Autobahn A3 und der Bundesstraße B43 ist es außerdem an das Frankfurter Kreuz, Europas größtes Autobahnkreuz, angeschlossen. Die Fertigstellung des rund 140.000 m² großen Gebäudes, welches bereits zu 60 % vermietet ist, ist noch für das Jahr 2010 geplant. Durch einen innovativen Nutzungsmix soll das Airrail Center zum Arbeiten, Kommunizieren und Wohlfühlen einladen und als internationaler Treffpunkt dienen. So verfügt es unter anderem über rund 94.500 m² Bürofläche, die für die einzelnen Mieter individuell angepasst werden kann. Des Weiteren entstehen auf 34.500 m² zwei Hotels unterschiedlicher Kategorie der Hilton Gruppe: das Hilton als First-Class-Hotel mit 248 Zimmern und das Hilton Garden Inn als Mid-Class-Hotel mit 334 Zimmern. Mit über 30 Einzelhandels- und Gastronomieflächen auf 5.900 m² soll zudem ein vielseitiges Einkaufserlebnis geschaffen werden, dass zwar auf die Mitarbeiter abgestimmt ist, jedoch auch für Besucher und Reisende zugänglich ist. Das Metropolitan Medical Center, ein therapeutisch-medizinisches Kompetenzzentrum, wird das Angebot weiter abrunden. Zukünftig werden täglich ca. 10.000 Menschen im Airrail Center erwartet, darunter 7.000 Beschäftigte und 3.000 bis 4.000 Besucher. Es wird somit nicht nur zu einem interessanten Unternehmensstandort, sondern auch zu einem touristischen Anziehungspunkt.[11]

–       Gateway Gardens

Im Nordosten der Airport City, in Sichtweite zum Terminal 2, entsteht ein weiterer Stadtteil der Airport City Frankfurt. Hier soll durch moderne Architektur in Mitten von Grünflächen ein lebendiger Standort geschaffen werden, der der Region neue Impulse verleiht und internationale Top-Unternehmen anzieht. Auf einem 350.000 m² großen Areal soll durch einen „städtebaulichen Masterplan“ ein Prototyp der Stadt von morgen geschaffen werden. Zur Veranschaulichung ihrer Vision haben die Macher von Gateway Gardens sogar ein 3D-Modell für Google Earth entwerfen lassen. Bis zum Jahr 2016 sollen hier Dienstleistungs­unternehmen, Hotels, Tagungs- und Kongressanbieter, Wissenschaft und Forschung, Gastronomie und Einzelhandel sowie Freizeiteinrichtungen und Entertainment ihren Platz finden. Die LSG Skychefs haben ihren Standort in Gateway Gardens bereits im Jahr 2008 mit 2.400 Mitarbeitern bezogen. Mit dem HOLM (House of Logistics & Mobility) entsteht zudem der erste Universitätscampus an einem Flughafen. Für Gateway Gardens sind sechs verschiedene Quartiere mit jeweils eigenem Charakter und Funktionen geplant. [12]



Abb. 2.35 Quartiere von Gateway Gardens

Mönchhof-Gelände

Im Nordwesten der Airport City befindet sich mit dem Mönchhof Gelände auf 110 Hektar das größte noch unentwickelte Gewerbegebiet der Region. Zielgruppe sind Logistikkonzerne und flughafenaffine Unternehmen, die den zentralen Standort zur Distribution der Güter und Dienstleistungen in das gesamte Rhein-Main-Gebiet nutzen wollen. Zurzeit sind bereits 35 % der Flächen vermarktet. Beispielsweise hat die REWE Group bereits 120.000 m² erworben, um dort unter anderem ein neues Frischelager zu errichten. Bis zum Jahr 2016/2017 soll die Vollvermarktung realisiert werden, wodurch bis zu 5000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten.[13]



[1] vgl. o.V., Statistischer Jahresbericht 2009 Fraport AG, (PDF), S. 11, 22

[2] vgl. o.V., ACspecial_de, www.frankfurt-airport-city.fraport.de (PDF), o.O., o.J., S. 1ff

[3] vgl. Oechsle M., Erweiterung von Geschäftsfeldern im Non-Aviation-Bereich an europäischen Flughäfen, München 2005, S. 32f.

[4] vgl. Schulz A., Baumann S., Wiedenmann S., Flughafen Management, München 2010, S. 83

[5] vgl. Oechsle M., a.a.O, S. 32f.

[6] vgl. Oechsle M., a.a.O, S. 33

[7] vgl. Schulz A. u.a., a.a.O., S. 50

[8] vgl. o.V., Geschäftsbericht Fraport AG 2009, (PDF), S. 40f.

[9] vgl. o.V., ACspecial_de, a.a.O., S. 4

[10] vgl. o.V., Geschäftsbericht Fraport AG, (PDF), S. 40

[11] vgl. o.V., Airrail Center Frankfurt, www.airrail.de (Internet), o.S.

[12] vgl. o.V., www.gateway-gardens.de (Internet), o.S.

[13] vgl. o.V., Flächenentwicklung Mönchhof Gelände, www.frankfurt-airport.de (Internet), o.S.