Bereits im April 1927 landete das erste Flugzeug auf dem heutigen Flughafen zwischen den Städten Leipzig und Halle, welcher die IATA-Kennung LEJ trägt. Schon nach wenigen Jahren zählte er zu den verkehrsträchtigsten Flughäfen im Land. Das florierende Geschäft wurde jedoch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der dadurch bedingten Einstellung der zivilen Luftfahrt am Flughafen beendet. Nach 1945 kam der Flugbetrieb nur langsam wieder in Gang. So diente er vorerst nur zweimal im Jahr als Messeflughafen und nahm erst 1972 den regulären Luftverkehr wieder auf.[1]

Ausbau zum Interkontinentalflughafen

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erlebte der Leipziger Flughafen einen enormen Anstieg des Passagieraufkommens. In den Jahren von 1990 bis 1992 stieg die Zahl der Passagiere von anfänglich rund 275.000 auf erstmals über eine Million Fluggäste in einem Jahr. Diese Entwicklung erforderte einen Ausbau des Flughafens um die Infrastruktur an das zukünftig zu erwartende Wachstum anzupassen. Das bestehende Terminal A sowie die Start- und Landebahn wurden modernisiert und ausgebaut. Des Weiteren wurde ein sogenanntes Instrumentenlandesystem der Kategorie IIIb eingeführt, welches präzise Anflüge auch bei schlechten Sichtverhältnissen ermöglicht und den Flughafen somit allwettertauglich macht.[2] Ein zweites Abfertigungsgebäude wurde 1996 eröffnet. Das neu erbaute Terminal B verfügte über die notwendigen Kapazitäten um das Fluggastaufkommen von mittlerweile jährlich mehr als zwei Millionen Fluggästen zu bewältigen.[3]

Ein bedeutender Schritt im Ausbau stellte im Jahr 2000 die Inbetriebnahme der neuen Start- und Landebahn dar. Der Flughafen verfügte nun erstmals über zwei Start- und Landebahnen. Die neue 3.600 m lange Nordbahn unterliegt weder Gewichts- noch Reichweiten­einschränkungen und ist somit für jede Art von Fluggerät ausgelegt. Dadurch gehört der Flughafen Leipzig-Halle fortan zu den Interkontinentalflughäfen und ermöglicht den Nonstop- Flugverkehr in die ganze Welt.[4]

Alles unter einem Dach

Die schrittweise Entwicklung zu einem international wettbewerbsfähigen Flughafen umfasste auch die optimale Verknüpfung mit den Verkehrsträgern Straße und Schiene. Der Flughafen Leipzig-Halle befindet sich direkt am Schkeuditzer Kreuz und ist hierüber sowohl von der Bundesautobahn A9 als auch der A14 gut erreichbar. Es besteht ebenfalls eine Anbindung an die Bundesstraße B6, die zwischen Leipzig und Halle verläuft.[5] Für eine erste Anbindung an das Schienennetz der Deutschen Bahn sorgte Ende 2002 der FlughafenExpress, der den Transfer vom Hauptbahnhof zum Flughafen ermöglichte.[6] Sechs Monate später, im Juni 2003, wurde das neue Zentralterminal eröffnet und mit ihm der ICE-taugliche Flughafenbahnhof. Auf mehreren Ebenen werden die Bereiche Check-in und Einkaufen, ein Parkhaus und der Bahnhof in einem Gebäude vereint. Das neue Terminal ist zwischen den beiden Start- und Landebahnen Nord und Süd eingebettet und ermöglicht die Abfertigung von 4,5 Millionen Fluggästen jährlich. Durch seine Lage kann es bei steigendem Passagieraufkommen jederzeit an eine Jahreskapazität von sieben Millionen angepasst werden.[7] So hatte sich innerhalb weniger Jahre der Flughafen Leipzig-Halle zu einem modernen Verkehrsflughafen in Europa entwickelt.

Seit Beginn des kontinuierlichen Um- und Ausbaus des Flughafens entwickelte sich das Passagieraufkommen recht positiv. So konnten seit 1995 jährlich mehr als zwei Millionen Fluggäste auf dem Leipziger Flughafen begrüßt werden. Leichte Einbrüche gab es in den Jahren 2001 bis 2003. Beeinflusst durch die Ereignisse des 11. September 2001, den Golfkrieg und die SARS Epidemie[8] sank die Zahl der Passagiere wieder knapp unter zwei Millionen. Im Frachtverkehr stieg das Gesamtaufkommen in den Jahren 1990 bis 1995 von 366 Tonnen auf 25.255 Tonnen. Jedoch konnte dieses starke Wachstum in den Folgejahren nicht beibehalten werden.[9]

 

Abb. 2.36 Entwicklung des Frachtaufkommens in Tonnen (Angaben bis einschließlich 2005 inklusive Trucking) (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Verkehrsstatistik, www.leipzig-halle-airport.de)

Eine zweite Ausbauphase erfolgte mit der Einreichung des Planfeststellungsantrages zum Neubau der Start- und Landebahn Süd. Die in die Jahre gekommene Bahn musste vollkommen neu errichtet werden da sie an die Grenze ihrer natürlichen Nutzbarkeit gelangt war. Die neue Südbahn von 3.600 m Länge wurde in paralleler Ausrichtung zur Nordbahn errichtet und konnte nach nur zweijähriger Bauzeit Mitte 2007 ihren Betrieb aufnehmen.[10]

Neuer Standort für DHL

Im November 2004 erklärte die Deutsche Post World Net ihre Absicht, das europäische Frachtdrehkreuz ihrer Expresstochter DHL von ihrem bisherigen Standort Brüssel nach Leipzig-Halle zu verlegen. Diese Entscheidung war ein positives Signal für die wirtschaftliche Entwicklung des sächsischen Flughafens und der Region. Grund für die Verlagerung des Drehkreuzes bestand in der Tatsache, dass die für DHL notwendige Expansion in Brüssel nicht möglich war. Im Hinblick auf andere, bereits nahe ihrer Kapazitätsgrenze operierende Flughäfen in Europa, bot sich LEJ aufgrund seiner geographisch günstigen Lage zu den aufstrebenden Märkten in Osteuropa, als attraktive Alternative.[11] Nach Berlin ist der Großraum Halle-Leipzig das wichtigste Ballungszentrum in Ostdeutschland. Im Umfeld des Flughafens leben in einem Radius von 100 km rund sieben Millionen Menschen. Durch die Schienenanbindung an den Regional- und Fernverkehr dürfte sich das Einzugsgebiet nochmals erweitert haben. Mit einer weitsichtigen Strategie bei der Entwicklung des Flughafens wurde eine leistungsfähige Infrastruktur geschaffen die über gute Voraussetzungen zur Etablierung des Luftfrachtdrehkreuzes verfügt. Sie garantiert Unternehmen der Luftverkehrs- und Logistikbranche, sowie luftverkehrsaffinen Unternehmen langfristige Investitions- und Planungssicherheit. Namhafte Unternehmen wie BMW, Porsche oder Amazon haben die Standortvorteile des Flughafens bereits erkannt und sich im unmittelbaren Umfeld angesiedelt.[12]

Bis zur offiziellen Eröffnung seines Frachtkreuzes im Mai 2008 investierte DHL rund 300 Millionen Euro in den neuen europäischen Standort, mehr als 70 Millionen davon in die neue Sortieranlage. Der gesamte Frachtbereich im Süden des Flughafens umfasst ein Areal von etwa 200 Hektar. Dort stehen das Verteilzentrum und der Flugzeughangar, die das Herzstück des Frachtbereichs bilden. Der Hangar hat eine Fläche von 27.000 m². Im 413 m langen und 48.000 m² großen Sortierzentrum befindet sich derzeit Deutschlands modernste und größte Sortieranlage. Diese sortiert in einer Stunde bis zu 100.000 einzelne Frachtstücke auf vier übereinander liegenden und insgesamt 6,5 km langen Sortiersystemen.[13] So werden derzeit jede Nacht rund 1.100 Tonnen Fracht umgeschlagen.[14] Zum Frachtgebiet gehört auch ein eigenes Vorfeld, von dem aus die Frachtflugzeuge über separate Rollwege auf das parallele Start- und Landebahnsystem gelangen. Aufgrund der 24 stündigen Betriebserlaubnis und der Möglichkeit zur unabhängigen Nutzung beider Bahnen, können Flugzeuge hier rund um die Uhr starten und landen. Beide Faktoren sind wichtige Voraussetzungen für die langfristige Entwicklung zum international wettbewerbs­fähigen Logistikstandort. Neben Köln/Bonn, Frankfurt und Düsseldorf gehört Leipzig-Halle zu den vier deutschen Verkehrsflughäfen, die direkt an das Schienenfernverkehrsnetz angeschlossen sind. Dies gewährleistet für den Frachtverkehr, vor allem für das Express­geschäft, den schnellen Weitertransport der Pakete und Postsendungen.[15]

Seit DHL den Betrieb in Leipzig aufgenommen hat, konnten bereits zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Es wird erwartet, dass durch weitere Unternehmensniederlassungen insgesamt etwa 10.000 direkte sowie indirekte Stellen entstehen. Ende 2009 arbeiteten am Flughafen bereits 4.462 Beschäftigte in 143 Unternehmen.[16]

Zusammen mit Wilmington in den USA und Hong Kong in Asien gehört Leipzig-Halle zu den drei wichtigsten Frachtdrehkreuzen im globalen Expressnetz von DHL. Bereits in den ersten zwei Jahren seit der Ansiedlung von DHL sind die Wachstumsraten im Frachtaufkommen überproportional hoch. Mit einem Frachtumschlag von 524.082 Tonnen in 2009 ist er nach Frankfurt und Köln/Bonn heute der drittgrößte Frachtflughafen in Deutschland. Aufgrund ausreichend freier Ausbauflächen bietet LEJ auch für zukünftiges Wachstum genügend Potential und wird keine Schwierigkeiten haben mit den Großen mitzuhalten.[17]

Heimat für AeroLogic

Leipzig-Halle ist seit 2009 Heimatflughafen der neuen AeroLogic. Dies ist die gemeinsame Frachtfluggesellschaft aus dem Joint Venture von Lufthansa Cargo und DHL Express. Die Flugzeugflotte besteht aus mehreren werksneuen Maschinen des Typ Boeing 777F und wird vor allem auf den Frachtverbindungen nach Asien und Amerika eingesetzt. Ein niedriger Treibstoffverbrauch sowie ein geringerer Lärmpegel zeichnen diese Flugzeuge, im Vergleich zu anderen Frachtmaschinen mit vergleichbarer Größe, als die umweltfreundlichsten ihrer Klasse aus. DHL bringt die Frachtflugzeuge vor allem wochentags auf seinen Routen, nach beispielsweise Singapur oder Delhi, zum Einsatz. Chicago und Atlanta zählen unter anderem zu den Zielen, die an Wochenenden im Auftrag von Lufthansa angeflogen werden. Mit einem erweiterten Streckenangebot, einer hohen Anzahl an Verbindungen und kurzen Transportzeiten will AeroLogic zu den fünf größten Frachtfluggesellschaften Europas aufsteigen.[18]

Literatur



[1] vgl. o.V., Flughafen Leipzig/Halle - Zukunftsweisend seit 1927, www.leipzig-halle-airport.de (PDF), Leipzig 2009, S. 4ff

[2] vgl. Schulz A., Baumann S., Wiedenmann S., Flughafen Management, München 2010, S. 122f

[3] vgl. o.V., Flughafen Leipzig/Halle - Zukunftsweisend seit 1927, a.a.O., S. 8

[4] vgl. o.V., Flughafen Leipzig/Halle - Zukunftsweisend seit 1927, a.a.O., S. 9

[5] vgl. Hartwig N., Neue urbane Knoten am Stadtrand? Die Einbindung von Flughäfen in die Zwischenstadt: Frankfurt/Main - Hannover -Leipzig/Halle - München, Berlin 2000, S. 123

[6] vgl. o.V., Neue Ziele im Linien- und Touristikverkehr, Pressemitteilung Flughafen Leipzig/Halle, www.leipzig-halle-airport.de (Internet), o.S.

[7] vgl. o.V., Bau des Zentralterminals, www.leipzig-halle-airport.de (Internet), o.S.

[8] vgl. o.V., Positive Passagierentwicklung im November, Pressemitteilung Flughafen Leipzig/Halle, www.leipzig-halle-airport.de (Internet), o.S.

[9] vgl. o.V., Verkehrsstatistik, www.leipzig-halle-airport.de (Internet), o.S.

[10] vgl. o.V., Flughafen Leipzig/Halle GmbH, a.a.O., S. 13

[11] vgl. Brychcy U., Post bringt der Region Leipzig 10000 Arbeitsplätze, Süddeutsche Zeitung 10.11.2004, S. 21

[12] vgl. o.V., Wirtschaftsmotor Flughafen, www.leipzig-halle-airport.de (Internet), o.S.

[13] vgl. o.V., DHL Hub Leipzig/Halle: Eine Logistik-Drehscheibe bewegt die Welt, www.dp-dhl.com (PDF), Bonn 2008, S. 3, 8, 16

[14] vgl. o.V., Leipzig/Halle Airport und DHL Hub Leipzig beteiligen sich am bundesweiten Tag der Logistik, Pressemitteilung Flughafen Leipzig/Halle, www.leipzig-halle-airport.de (Internet), o.S.

[15] vgl. Schulz A., Baumann S., Wiedenmann S., a.a.O., S. 45 und vgl. Sterzenbach R., Conrady R., Fichert F., Luftverkehr - Betriebswirtschaftliches Lehr- und Handbuch, München 2009, S. 176

[16] vgl. Birger N., DHL eröffnet in Leipzig neues Luftfracht-Drehkreuz, www.welt.de (Internet), o.S.

[17] vgl. Birger N., a.a.O.

[18] vgl. o.V., About, www.aerologic.aero (Internet), o.S. und vgl. o.V., Network, www.aerologic.aero (Internet), o.S.

 

Autor M. Staffel