Neue Herausforderungen an Passagierkontrollen

Von K. Laybach

Der Luftverkehr ist seit Jahrzehnten einer hohen Gefährdung durch Anschläge ausgesetzt. Politisch-religiös motivierte Täter, die bereit sind ihr Leben zu verlieren, können mit vergleichsweise geringem Aufwand eine Katastrophe herbeiführen. Sogar im Fall gescheiterter Anschläge haben diese trotzdem eine ungewöhnlich hohe publizistische Wirkung und beeinflussen die Debatte um Sicherheitskontrollen nachhaltig. Für die Fluggastkontrollen an Flughäfen ergeben sich daraus neue Herausforderungen.[1]

Anschlag auf Northwest-Airlines-Flug 253

Am 25. Dezember 2009 versuchte ein 23-jähriger Attentäter eine explosive Substanz während eines Interkontinentalfluges von Amsterdam nach Detroit zur Detonation zu bringen. In seiner Kleidung versteckt, schleuste er den Sprengstoff PETN (Pentaerythrit-tetranitrat) durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen Amsterdam-Schiphol. Während des Landeanfluges auf den Flughafen Detroit, USA, mischte er verschiedene Substanzen bei, um diese mittels chemischer Reaktion - und somit ohne metallischen Zünder - zur Detonation zu bringen. Wohl aufgrund fehlerhafter chemischer Zubereitung kam es zwar zu Rauch- und Feuerbildung, jedoch blieb eine Detonation aus.[2] Die mitgeführte Menge wäre darüber hinaus voraussichtlich nicht in der Lage gewesen einen Absturz herbeizuführen.[3]

Am Flughafen Schiphol erfolgte zuvor ein Abgleich der Passagierdaten mit einer Datenbank (no fly list), in der als potentiell gefährlich eingestufte Personen gelistet sind. Trotz vorheriger Warnung durch den Vater des Attentäters an US-Geheimdienste war dessen Name nicht in dieser Datenbank geführt und somit wurde er nicht intensiver kontrolliert. Die standardmäßige Körperkontrolle erfolgte durch einen Metalldetektor, da die Nutzung vorhandener Körperscanner freiwillig erfolgt. Laut Experten des Fraunhofer-Institutes für Messtechnik wäre der versteckte Sprengstoff beim Einsatz eines Körperscanners wahrscheinlich entdeckt worden.[4]

In unmittelbarer Konsequenz aus diesem Anschlag, wurden Sicherheitskontrollen an europäischen und amerikanischen Flughäfen verschärft. Passagiere aus 14 Ländern, aus denen eine verstärkte Gefahr durch terroristische Angriffe ausgehen könnte, wurden weltweit vor dem Abflug in die USA einer intensiven Körper- und Gepäckkontrolle unterzogen.[5]



Rechtliche Vorgaben zur Personenkontrolle

Vorgaben der Europäischen Union regeln, welche Bereiche von Sicherheitskontrollen betroffen sind, und welche Verfahren dafür anzuwenden sind. Sicherheitskontrollen sind demnach „Vorkehrungen, mit denen die Einschleusung von verbotenen Gegenständen verhindert werden kann.[6]“ Zum dahinter liegenden Sicherheitsbereich zählen alle Bereiche, die von abfliegenden Passagieren, inklusive ihrem Handgepäck, nach der Sicherheitskontrolle passiert werden bzw. zugänglich sind.[7] Des Weiteren zählen die „Gepäckabfertigungsbereiche, Fracht-Lagerhallen, Postzentren und Einrichtungen der Reinigungs- und Bordverpflegungsdienste auf der Luftseite“ zum Sicherheitsbereich. In Deutschland regelt §5 Abs. 1 des Luftsicherheitsgesetzes, dass die zuständige Luftsicherheitsbehörde Personen und Gegenstände, die in diesen Bereich gelangt, auf „geeignete Weise“ überprüfen kann.

Profiling

Ein Verfahren, mit dem anhand von Datenbanken oder Beobachtungen, durch geschultes Personal potentiell gefährliche Personen erkannt werden sollen. Entsteht ein Verdacht gegen einen Passagier, können zusätzlich zur allgemeinen Sicherheitskontrolle weitere Überprüfungen erfolgen. Durch Profiling können bestehende Sicherheitskontrollen ergänzt werden, ohne dass eine grundsätzliche Intensivierung und damit Verzögerung der Kontrollen stattfindet.

Welche Passagiere einer weiteren Überprüfung zugeführt werden, kann anhand verschiedener Kriterien entschieden werden:

Art des Profilings

mögliche Kriterien

Demografie (demographic profiling)

Alter; Herkunft; Einkommen; Reiseverhalten [8]

Risikoeinstufung (positive profiling)

Teilnahme an vorheriger Sicherheitskontrolle;
nicht erkennbare Gründe für Reise

Verhaltensmuster (behavioural profiling)

Gestik; Mimik; Bewegung; Körpersprache;
Reaktion auf Kontrollfragen

Abb. 2.40: Verschiedene Arten des Profilings

–       Demografie

Demografische Kriterien können bei Vorliegen konkreter Sicherheitswarnungen angewendet werden. Liegen z.B. Warnungen über mögliche Attentäter aus einer bestimmten Region vor, können Passagiere, auf die die genannten Merkmale zutreffen, gesondert überprüft werden.[9]


–       Risikoeinstufung

Personen, die ein nachweislich geringeres Risiko für den Flugbetrieb darstellen (z.B. Vielflieger; Trusted Traveller), können nach einer vorherigen Überprüfung direkt die Fluggastkontrolle durchlaufen, ohne eingehender überprüft zu werden. [10]

–       Verhaltensmuster

Anhand festgelegter Kriterien beobachten speziell geschulte Sicherheitsmitarbeiter die Passagiere während der Fluggastkontrolle, oder an Stellen des Flughafens, an denen diese eine Überwachung nicht erwarten. Zeigt eine Person auffällige Verhaltenmuster, kann dies ein Indiz für eine geplante Straftat sein und wird daraufhin eingehender überprüft.[11] Diese Methode ist sowohl zeit- als auch personalintensiv und eignet sich somit weniger für einen generellen Einsatz an Flughäfen.

Wurde eine Person als potentiell gefährlich eingestuft, erfolgt eine intensivere manuelle Fluggastkontrolle. Außerdem kann ein geschulter Sicherheitsmitarbeiter in einem Gespräch die Reaktionen der Person auf verschiedene Fragen analysieren. Eine bewusste Falschaussage kann an Auffälligkeiten der Mimik erkannt werden. Widersprüchliche Hirnsignale führen dabei zu unnatürlichen Reaktionen und verändern die Mimik für den Bruchteil einer Sekunde (micro expression), ohne dass dies bewusst beeinflusst werden kann.[12]

Eine kostengünstigere Alternative zur Durchführung persönlicher Gespräche durch Sicherheitsbeamte ist das computergestützte Profiling. Dabei antworten die Befragten auf computergenerierte Fragen. Sämtliche Reaktionen werden per Kamera überwacht und mittels einer speziellen Software ausgewertet. Erst im Verdachtsfall folgt ein persönliches Gespräch.[13] In den USA analysierten im Jahr 2009 bereits 2.400 Sicherheitsmitarbeiter (Behaviour Detection Officers) die Verhaltensmuster von Passagieren an 40 Flughäfen.

Körperscanner

Eine technische Methode, mit der durch Einsatz elektromagnetischer Strahlen verborgene Gegenstände unter der Kleidung aufgespürt werden. Der Fluggast muss sich zur Messung vor einem speziellen Scanner positionieren. Dabei wird die Kleidung des Fluggastes von Strahlen durchdrungen, welche von Messgeräten ausgewertet werden. Grundsätzlich sind zwei verschiedene Verfahren zu unterscheiden:

–       Backscatter

Bei dieser auf Röntgenstrahlen basierenden Technik, wird virtuell eine zweidimensionale Abbildung des Körpers erzeugt. Anders als bei medizinischen Geräten, werden nicht die den Körper durchdringenden Strahlen gemessen, sondern die von der Oberfläche reflektierten Strahlen (Compton Effekt). Je nachdem welches Material bestrahlt wird, werden unterschiedlich viele Strahlen reflektiert. Somit sind neben metallischen auch weitere Materialien erkennbar. Durch den Einsatz hochempfindlicher Sensoren ist die Strahlenbelastung eines Scans um das 60-fache geringer als die Belastung eines einstündigen Fluges.[14]

–       Millimeterwellen

Die Wellenlänge der genutzten Strahlen liegt bei circa einem Millimeter und gibt dieser Technik ihren Namen. Eine natürliche Eigenschaft dieser Strahlen ist, dass sie herkömmliche Kleidung gut durchdringt und erst von kompakteren Materialien reflektiert werden. Da auch der Körper diese Strahlen aussendet, ist es grundsätzlich möglich eine „passive“ Messung durchzuführen. Für genauere Ergebnisse wird der Fluggast „aktiv“ bestrahlt, um ein dreidimensionales, virtuelles Abbild des Körpers zu erstellen.[15] Hersteller solcher Geräte geben an, dass Millimeterwellen (Teraherzwellen) keinerlei Auswirkung auf menschliche Zellen haben und deren Einsatz somit unbedenklich ist.[16]


Abb. 2.41: Aufnahmen von Backscatter und Millimeterwellen                                               (Quelle: TSA)

 


[1] vgl. Richter, S., Luftsicherheit – Schutz vor Angriffen auf den zivilen Luftverkehr, Berlin 2007, S. 16f.

[2] vgl. Peissig, T., Criminal Complaint, United States of America v. Umar Farouk Abdulmutallab, USA 2009, S. 3

[3] vgl. o.V., Boeing 747 survives simulated 'Flight 253' bomb blast, www.bbc.co.uk (Internet), o.S.

[4] vgl. Rubner, J., Blick durch die Kleider, www.sueddeutsche.de (Internet), o.S.

[5] vgl. Sullivan, E., New security checks set for travelers to US, www.ap.com (Internet), o.S.

[6] vgl. o.V., Verordnung (EG) Nr.2320/2002, Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (PDF), o.O., S. 7f.

[7] vgl. o.V., Verordnung (EG) Nr.1138/2004, Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (PDF), o.O., S. 1

[8] vgl. o.V., Passenger profiling, www.caslon.com.au (Internet), o.S.

[9] vgl. Zeleny, J., Security checks on flights to U.S. to be revamped, www.nytimes.com (Internet), o.S.

[10] vgl. o.V., Troubled waters for transport security, in: Taking care of the fundamentals - Security, Equity,
Education and Growth,  o.O. S. 59

[11] vgl. Brown, D., Flying without fear, USA, Oakland 2009, S. 137

[12] vgl. Shannon, D., Behavioural Analysis Solution, Aviation Security International, April 2009, S. 10ff.

[13] vgl. Shannon, D., a.a.O., S. 14

[14] vgl. o.V., Safety and Privacy Information, www.as-e.com (Internet), o.S.

[15] vgl. Rubner, J., a.a.O.

[16] vgl. o.V., eqo, www.smithsdetection.com (Internet), o.S.