Die Kundendimension ist bei der Geschäftsmodelldefinitionen von großer Bedeutung. Sie steht im Zentrum des magischen Dreiecks und somit eines jeden Geschäftsmodells. Hierbei ist für die Unternehmen wichtig, die relevanten Kundensegmente zu identifizieren und diese mit den erforderlichen Informationen über die geeigneten Kanäle zu versorgen. An Flughäfen lassen sich verschiedenen Kundengruppen aumachen.Es kann zwischen Fluggesellschaften al, Passagieren, gewerblichen und sonstigen Kunden unterschieden werden.

Fluggesellschaften

Fluggesellschaften lassen sich grundsätzlich in Netzwerk-, Touristik-, Regional-, Billig- und Frachtfluggesellschaften unterteilen.  Die unterschiedlichen Flughafentypen werden dabei vorwiegend von einer Art von Fluggesellschaft genutzt, während die anderen eine untergeordnete Rolle spielen.

- An Hub-Flughäfen treten Netzwerkfluggesellschaften als Hauptkundengruppe auf,  dabei wird ein Flughafen meist von einer Fluggesellschaft als Heimatbasis genutzt und stellt den Ausgangspunkt ihres Streckennetzes dar. So entsteht oftmals eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit von dieser Fluggesellschaft und ihren Partnern. Das führt dazu dass sich die Flughäfen an die Bedürfnisse der Netzwerkfluggesellschaften anpassen müssen, deren Ziel es ist ein weltweites Transportnetzwerk mit kompletten Dienstleistungsketten und gehobener nahtloser Kundenbetreuung anzubieten.  Auch Regionalfluggesellschaften sind Kunden von Hub-Flughäfen. Sie sind für den Zubringerverkehr der Netzwerkfluggesellschaften zuständig und haben somit ebenfalls die gleichen Anforderungen an den Flughafen. Auch wenn sie nur einen geringen Anteil ausmachen und nicht gezielt angeworben werden, sind Billigfluggesellschaften ebenfalls Kunden an Hub-Flughäfen. Sie agieren jedoch lediglich in unattraktiven Slots, an denen andere Fluggesellschaften kein Interesse haben. Deswegen passt sich der Flughafen auch nicht speziell an ihre Bedürfnisse an.
- Die Origin-and-Destination- oder hybriden Flughäfen haben Kunden mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. Sie dienen sie Netzwerkfluggesellschaften als Ausgangspunkte für die Zubringerverkehre, die auch von Regionalfluggesellschaften durchgeführt werden können. Zusätzlich haben sie Touristik- und Billigfluggesellschaften als Kunden.  Die gemeinsame Anforderung aller genannten Kundengruppen ist eine gute landseitige Verknüpfung, da sie als Hauptkundengruppe Originärpassagiere aus der Region haben.  
- Mit einem Anteil von über 50 Prozent  sind Billigfluggesellschaften die Hauptkunden von Billig-Flughäfen, deshalb müssen die Flughäfen ihre Prozesse und Ausstattung an deren Bedürfnisse anpassen. Dies liegt daran, dass sie als Ziele kurze Bodenzeiten und die Reduktion der Kosten haben. Für Billig-Flughäfen bedeutet das, dass die Terminalausstattung einfach und funktional gehalten ist, um niedrige Kosten zu ermöglichen. Neben Billig- können auch Frachtfluggesell-schaften Kunden an solchen Flughäfen sein.
- Die Frachtflughäfen legen ihren Fokus im Gegensatz zu den drei beschriebenen Typen nicht auf den Passagier- sondern auf den Frachtverkehr. Um den Frachtfluggesellschaften als Kunden gerecht zu werden, ist ein spezieller Terminalaufbau nötig, der die für die effiziente Frachtabfertigung ausgelegt ist. 

- Flughafensysteme sind sind in Bezug auf die Fluggesellschaften als Kunden eine Besonderheit. Obwohl die dazugehörigen Flughäfen im gleichen Quellmarkt tätig sind, haben sie sich auf unterschiedliche Kundengruppen spezialisiert. Primäre Flughäfen haben oft Netzwerkfluggesellschaften als Hauptkunden, während sekundäre Flughäfen sich auf Billig- oder Frachtfluggesellschaften spezialisieren und sich deren Bedürfnissen anpassen.

Passagiere

Es gibt unterschiedliche Ansichten über die Rolle der Passagiere als Kunden von Flughäfen. Fluggesellschaften sehen sie als ihre Kunden und sich selbst als Hauptkunden von Flughäfen, während Flughäfen sowohl Fluggesellschaften als auch Passagiere als ihre Hauptkundengruppen sehen. Ein bestehender Ansatz definiert Fluggesellschaften als primäre und Passagiere als sekundäre Kunden,  wobei für Passagiere oft schwer erkennbar ist, welche Leistung von welchem Leistungsträger erbracht wird. Für die Flughäfen sind die Passagiere vor allem deshalb von Bedeutung, weil sie direkte Kunden des kommerziellen Bereichs sind.  Es kann zwischenTransfer- und Originärpassagieren unterschieden werden.
- Hub-Flughäfen haben einen hohen Anteil an Transferpassagieren.  Für diese ist ein nahtloser Umsteigeprozess mit hohem Komfort, Sicherheit und Schnelligkeit wichtig.  Dafür ist eine professionelle und effiziente Transferorganisation notwendig. Der kommerzielle (luftseitige) Bereich wird von Transferpassagieren nur genutzt, wenn die Zeit zwischen den Flügen lange genug ist und konkurriert daher mit dem Ziel der Effizienz.  Um Zusatzerlöse von Transferpassagieren einzufahren, werden Hub-Flughäfen immer kreativer und bieten bspw. Sport- und Wellnessmöglichkeiten, Kinos, Kunstausstellungen, Kasinos oder Stadtrundfahrten für die Zeit des Aufenthalts.
- Sowohl Billig-, als auch hybride Flughäfen sind hauptsächlich auf Punkt-zu-Punkt-Verkehre und somit auf Originärpassagiere ausgerichtet.  Aus diesem Grund ist die landseitige Erreichbarkeit wichtiger. Diese Flughäfen sollten deshalb gut an die Verkehrsinfrastruktur angebunden sein, über genügend Parkmöglichkeiten verfügen und effiziente Check-In bzw. Check-Out-Vorgänge haben. Im kommerziellen Bereich lassen sich unterschiedliche Ausgabemuster, je nach Reiseanlass erkennen. Freizeitreisende tendieren zu Impulskäufen und nutzen regelmäßig gastronomische Angebote. Vor allem Passagiere von Billigfluggesellschaften greifen auf Verpflegungsangebote zurück, da es während des Fluges keine Mahlzeiten gibt. Geschäftsreisende verbringen weniger Zeit am Flughafen und nutzen die Einkaufsmöglichkeiten deshalb nur sporadisch.

Andere Kunden

Weitere Kundengruppen an Flughäfen sind zum einen gewerbliche Kunden wie Restaurants, Hotels, Einzelhandelsgeschäfte, Autovermietungen, Reisebüros, Speditionen, Frachtagenten, Postunternehmen, Konferenzveranstalter, Banken, Kinos oder Discobetreiber. Das geschäftliche Verhältnis zwischen den gewerblichen Kunden und dem Flughafen ist meist in einem Vertrag geregelt, in dem die Kunden als Konzessionäre auftreten. Zum anderen stellen Einzelpersonen wie Angestellte des Flughafen oder von Fluggesellschaften, Taxifahrer, Personen die Passagiere zum Flughafen bringen oder abholen, Anwohner,  Personen, die an einer Konferenz am Flughafen teilnehmen und Besucher die den Flughafen als touristische Attraktion frequentieren, eine weitere Kundengruppe dar.

Weitere Informationen zu diesen Kundengruppen finden sie hier.

Die Angebote für diese Gruppe lassen sich in die Kategorien Einzelhandel, Gastronomie, Information und Kommunikation sowie Unterhaltung und Erholung eingeteien. Das Angebot der beiden zuerst genannten Kategorien ist selbsterklärend. Angebote im Bereich Information sind allgemeine Informationen, solche zum Flughafen und Reiseinformationen. Die Bereitstellung von Anschlüssen für Laptops und Faxgeräte sowie Videokonferenzangebote, Meeting- und Konferenzräume, Büro- und Sekretariatsleistungen zählen zum Kommunikationsangebot. Zum Bereich Unterhaltung und Erholung zählen Besucherführungen, technische und interaktive Ausstellungen, Besuchergalerien, Kinos, Kasinos, Discos, Frisöre, Kosmetik- und Fitnessstudios.
Bezogen auf die Flughafentypen lassen sich hier kaum Unterschiede ausmachen. Dennoch sollte der Flughafenbetreiber im gewerblichen Bereich darauf achten, dass die Sortimentspolitik an die Passagiere angepasst ist.