Der Einzelhandel, die Gastronomie und die Serviceangebote an einem Flughafen werden unter der Bezeichnung "Airport Retail" zusammengefasst und stellen den wichtigsten und umsatzstärktsten Teilbereich des Non-Aviation-Bereichs dar.

 

Anforderungen

Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe in Flughafengebäuden müssen sich im Gegensatz zu Betrieben in gewöhnlichen Einkaufszentren oder Innenstädten anderen Anforderungen stellen. Die Kosten für die Mieten liegen deutlich höher als in Fußgängerzonen. Alleine für Brandschutzvorrichtungen müssen in der Regel 50 bis 70 Prozent mehr Ausgaben getätigt werden. Zudem sind die Ladenflächen meist deutlich kleiner.

  • Personal: Das Thema Personal im Bereich Flughafen Retail bringt einige Herausforderungen mit sich. Der Personaleinsatz wird von langen Öffnungszeiten, dem ganzjährigen Betrieb und dem schwankenden Passagieraufkommen in bestimmten Monaten beeinflusst. Sonn- und Feiertagszuschlägen erhöhen die Personalkosten. Zudem werden höhere Anforderungen an das Personal gestellt. Es muss Englisch sprechen können, den Umgang mit fremden Währungen beherrschen und bei Flugverspätungen bereit zu Überstunden sein.  
  • Krisen: Die Umsätze in den Geschäften und Betrieben an Flughäfen sind stark von der weltpolitischen Lage, dessen Geschehnissen und den daraus resultierenden gesetzlichen Veränderungen abhängig. Gründe sind die aus Krisen resultierenden sinkenden Passagierzahlen und die verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Letztere führen zu längeren Wartezeiten an Kontrollpunkten und durch die Beschränkungen der Mitnahme von Flüssigkeiten zu Unsicherheiten bei den Passagieren und letztendlich zu Konsumbeinbrüchen in den Bereichen alkoholische Getränke, Parfüms und Kosmetikartikel.
  • Kundengruppen und -bindung: Aufgrund der vielen heterogenen Kundengruppen und dem begrenzten Platzangebot ist es für Geschäfte am Flughafen sinnvoll sich auf bestimmte Zielgruppen zu spezialisieren. Langfristige Kundenbindung ist am Standort Flughafen sehr schwierig, deshalb setzen die Unternehmen auf Kunden-, Bonus- und Rabattkarten.

Angebotsstruktur

Der Branchenmix ist die Mischung aus Einzelhandelsgeschäften und Gastronomiebetrieben, die idealerweise die Nachfrage der Kundengruppen am Flughafen wiederspiegelt und deckt. Besonders wichtig ist ein breites und gleichzeitig flexibles Sortiment, das an die heterogenen Kundenwünsche angepasst werden kann. Außerdem ist beim Angebot auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen lokalen, regionalen und internationalen Produkten zu achten.

  • Convenience: Convenience-Produkte werden vor allem aufgrund von Zeitmangel und Bequemlichkeit konsumiert. Dies trifft insbesondere auf Reisende und Angestellte des Flughafens zu. Speziell für Passagiere sollten diese Märkte in der Nähe der Gates platziert sein und ein ausgewähltes Sortiment an Tabakwaren, Zeitungen, Getränken sowie kleinen Speisen zum Mitnehmen anbieten. Außerdem werden zunehmend Convenience-Angebote im landseitigen Bereich von Umlandbewohnern genutzt. Insgesamt zählen zu diesem Bereich Supermärkte und alle gastronomischen Bereiche wie Restaurants, Cafés, Bars und Snack-Bars. Weitere Serviceleistungen des täglichen Lebens die ein Flughafen anbietet sind Banken, Postfilialen, Reisebüros, Mietwagenstationen, Waschsalons, Wäschereien, Friseursalons und Apotheken.
  • Markenwelten: Flughäfen, insbesondere Hub-Flughäfen, weisen in der Regel eine hohe Dichte an unterschiedlichen Markenunternehmen auf. Die oftmals internationalen Handelsketten nutzen den Standort Flughafen als einen wichtigen Prestige- und Imagefaktor. Zudem können sie ihren internationalen Bekanntheitsgrad erhöhen. Für Passagiere und sonstige Kunden liefern sie hingegen die Garantie einer weltweit hohen Produkt-, Service- und Erlebnisqualität. Aufgrund ihres hohen Wiedererkennungswertes vermitteln diese Markenprodukte luxuriöse Qualität und ein internationales Flair. Dies wird meist mit einem Hochpreisimage verbunden, auch wenn sich das Preisniveau meist nicht von Innenstädten unterschiedet. Ein Risiko der Markengeschäfte ist, dass sich Flughäfen in ihrem Angebot gleichen, was zu Langeweile bei Fluggästen und einer möglichen Substituierbarkeit der Flughäfen untereinander führen kann.  
  • Lokale Geschäfte: Um eine landesspezifische, einzigartige und damit unverwechselbare Atmosphäre am Flughafen und eine eindeutige Positionierung am Markt sicherzustellen, muss das Angebotsportfolio durch einheimische Produkte ergänzt werden. Standortauthentische Angebote mit typischen Spezialitäten aus der Region oder des Ortes sind vor allem für ausländische Passagiere Ankerpunkte des Interesses. Das richtige Verhältnis zwischen Markenprodukten, lokalen Produkten und Gastronomieangeboten zu finden, sowie in den öffentlichen und nicht öffentlichen Bereichen zielgruppengerechte Angebote zu konzipieren, ist äußerst wictig. Auch bei lokalen Produkten sollte darauf geachtet werden, dass die Waren nicht überteuert angeboten werden, da sonst das Hochpreisimage weiter unterstützt würde.
  • Duty-Free/Travel-Value-Konzept: Duty-Free-Produkte bzw. -geschäfte sind lediglich für Passagiere die zwischen verschiedenen Staaten reisen gedacht. Da dies innerhalb der EU gegen das Binnenmarktprinzip verstößt wurde das „Travel-Value-Marketingkonzept“ eingeführt, um weiterhin preisgünstige Markenprodukte anbieten zu können. Die Produkte sind nur auf der Luftseite des Flughafens verfügbar. Zu den umsatzstärksten Kundengruppen des Duty-free-Geschäfts gehören bei Tabakwaren und Spirituosen russische, britische und skandinavische Passagiere. Asiatische Fluggäste kaufen dagegen sehr hochwertige Parfüms, Kosmetika, Accessoires und zum Teil auch Spirituosen. Die Anzahl der Duty-Free-Geschäfte an einem Flughafen hängt vom Anteil der Fluggäste mit einem Flugziel außerhalb des Binnenmarktes ab.